von Einer die auszog die Welt zu erkunden Teil 2

Dienstag, 14. Oktober 2014

Manchmal mehr und manchmal weniger


Hallihallohallöchen,
 
zu allererst muss ich mich jetzt mal bei euch bedanken, dass ihr immer alle so fleißig meinen Blog lest! Woher ich das weiß? Hier bei Blogger gibt es immer eine nette Statistik, die mir verrät wie oft der Blog angeklickt wurde. Gestern habt ihr die 1000 geknackt! Natürlich ist mir durchaus klar, dass nicht alle jedes Mal alles gelesen haben, aber es ist doch trotzdem schön zu sehen, dass (angeblicher obwohl Fehlkonstruktion grammatikalischen) zumindest das Interesse besteht. Deswegen werde ich auch weiterhin mein Bestes geben und euch immer über alles auf dem Stand der Dinge halten. (Ich würde diesen Blog natürlich auch immer noch schreiben, wenn nur eine Person ihn lesen würde.)

Am Donnerstag hat mich erst mal eine kleine Überraschung erwartet, denn die Clique mit der ich für gewöhnlich rumhänge, war bis auf mich und Arthur, in Peking die Ferien über. Und anscheinend haben sie mich so sehr vermisst, dass sie mir einen Pandabären mitgebracht haben. Keinen echten, versteht sich ja von selbst! Aber zumindest ein super knuddeligen Plüschpanda. Dass hat mich wirklich ein wenig von den Socken gehauen! So werde ich zumindest in kleinen Schritten dem Namen meines Blogs gerecht.

 
Mein neuster Gefährte Pang Booboo (胖 pang ist das chinesische Wort für fett)


Da wir am Samstag netterweise mal wieder Unterricht hatten, ist am Wochenende auch dementsprechend wenig passiert. Was nicht heißen soll, dass ich untätig war! Freitag sind Flavia und ich wieder in die chinesische Schule und haben uns "Life of Pi" angeschaut, der war zwar auf Englisch und hatte nur chinesischen Untertitel, aber dafür haben wir danach auf Chinesisch über die Interpretation diskutiert. Sehr, sehr spannend! Samstag nach der Uni sind wir dann abends mit noch einigen anderen Freunden spontan wieder dorthin und haben "可可西里" (kekexili) angeschaut. Ein Film der im mittleren Westen Chinas (die Region heißz Kekexili) spielt und sich um Wilderer dreht, welche die Tibetantilopen zu Massen abschlachten, nur um ihr Fell verkaufen zu können. Sehr, sehr schockierend! Auch da gab es im Anschluss wieder eine Diskussion über den Film, natürlich auf Chinesisch.
Danach noch auf eine Bier ins Ellens und dann ab ins Bett.

Sonntagmittag hab ich mich dann mit Baitong getroffen. Da sie im Univiertel am anderen Ende der Stadt wohnt und man mit Bus und Metro schon eine gute Stunde bis dorthin braucht, war mit Ausschlafen dann auch nicht so viel. Dort sind wir dann zusammen mit noch einem Freund von ihr erst mal zum Hauptcampus meiner Uni gegangen. Nur um mal einen Blick drauf zu werfen und zu schauen ob es einen Judo Kurs gibt (Sporthalle war geschlossen). Daraufhin meinte sie, kann sie mir doch auch gleich noch ihren Campus zeigen. Ich natürlich immer dabei, wenn es darum geht mehr von der Stadt und seinen Bewohnern zu sehen, sofort zugestimmt. Wir sind dann ca. eine halbe Stunde immer geradeaus gelaufen, an einer Straße, die kein Ende zu nehmen schien und die für chinesische Verhältnisse, erstaunlich leer war (vergleichbar mit dem Verkehrsaufkommen einer deutschen Durchschnittsstraße).  Da die Straßen alle sehr breit waren und auch relativ leer, hab ich mich kurzzeitig wieder wie in Australien gefühlt.
Unterwegs sind wir an noch anderen Unis vorbei gekommen. Alle wurden erst in den letzten zehn Jahren gebaut und sehen deswegen auch recht modern aus, absolut abgehoben, wenn man es mit meinem Campus vergleicht :)
Baitongs Campus sah dann auch so aus, sehr breite Boulevardstraßen, Gebäudehöhe maximal sechs Geschosse (also winzig), recht viel Grünfläche (die man allerdings Zwecks Unkraut besser nicht betritt) und einige kleine wunderschöne Parks. Wir sind dann noch auf einen kleinen Hügel geklettert, der meiner Meinung nach am Rande des kleinen Campuses stand und haben von dem Pavillon auf den ganzen Campus schauen können. Wie sich dabei herausstellte war der kleine Campus, nur der kleinere Bruchteil des ganzen Geländes, denn vor mir hat sich eine fast unendliche Gebäudelandschaft erstreckt. Ein wenig überwältigt ging es dann weiter. Kurz vor dem Hügel hat sich Baitongs Freund verabschiedet und kurz nach dem Hügel kam der Nächste. Als Nicht-Afrikanischer-Ausländer scheine ich hier doch etwas Besonderes zu sein. Allerdings stört mich das bisher nicht, denn so hat man die Möglichkeit ein paar Chinesen kennen zu lernen. Besagter Chinese ist sogar echt made in Nanjing (spricht aber zum Glück nicht den schrecklichen Nanjing-Dialekt!). 籽文 Ziwen hat uns dann auch gleich mit zum Pingpong (pingpang auf Chinesisch) mit geschleppt und wir haben "echtes" Tischtennis gespielt, nicht chinesisches. Ich hab tatsächlich keine Ahnung warum wir die Variante mit dem um den Tisch rennen "chinesisch" nennen! Aber die Wege des Balles sind unergründlich nehme ich mal an. Ich würde sogar sagen, dass ich mich gar nicht so schlecht geschlagen hab, dafür dass die Beiden das regelmäßig spielen und ich seit Jahren nicht mehr gemacht hab. Danach ging es dann auch ganz sportlich weiter und wir haben bei einem Basketballtunier der Uni zugeschaut. Weniger spannend, da ich nicht nur die Regeln nicht kennen, sondern auch die Spieler (meiner Meinung nach) keine Spitzenklasse waren. Aber man hat sich nett, in einem Mix aus Chinesisch und Englisch, unterhalten.
Allzu bald musste ich dann aber auch schon wieder zurück, denn ich hatte am Abend noch eine Verabredung mit einer anderen Chinesin zum Abendbrot. Lila (so ihr Name ins Deutsche übersetzt) hat mich dann in ein Café ihrer Freunde mitgenommen. Das ist mit Abstand das gemütlichste Café dass ich hier in China bisher gesehen habe, alles ist mit alten und teilweise selber zusammen geschusterten, nicht zusammenpassenden Möbeln ausgestattet. An den Wänden hängen Postkarten aus aller Welt, die Getränke sind super lecker (leider nicht immer der Fall) und die Besitzer sind, sowie alle anderen Gäste, super nett und herzlich. An diesem Abend hat ein polnischer Kommilitone von mir einen Vortrag über Polen gehalten. Er hat diesen in Englisch und Chinesisch gehalten, da das Publikum aus Leuten von überall her bestand. Sehr interessant muss ich sagen, da Polen ja wirklich gleich um die Ecke von Dresden und Leipzig ist, ich noch nie dort war und auch nicht gerade behaupten kann, viel über dieses Land zu wissen. An dieser Stelle hab ich mich mal wieder gefragt, warum man immer erst ans andere Ende der Welt reisen muss, um sein eigenes Land oder seine Nachbar kennen zu lernen? Bisher hab ich darauf noch keine Antwort gefunden.
Angeblich sollen jeden Sonntagabend irgendwelche Vorträge in diesem kleinen Café stattfinden und ich hab so das unbestimmte Gefühl, dass man mich dort wohl auch öfters mal antreffen wird. Denn Tatort schauen geht hier in China nicht (da spielen die Internetkapazitäten einfach nicht mit) und ansonsten hat man auch nichts weiter Spannendes zu tun, sodass ein entspannter Abend mit netten Leuten in einem gemütlichen Café sehr verlockend klingt.


Und wer kann erkennen was es sein soll?

Sehr entspannt war auch unser Kalligrafiekurs am Montag. Diesmal haben wir jedoch nicht geschrieben, sondern uns in chinesischer Malerei versucht. Die ersten Kleckse (hier kann man wirklich nur von Klecksen reden) waren doch recht deprimierend, doch als man hier und da noch einen Strich angefügt hatte, verwandelten sich die Kleckse doch tatsächlich in richtige Bilder. Ich glaube allerdings dass mir die Kalligrafie doch noch etwas mehr Spaß macht.


Dafür dass ich gar nicht so viel erlebt habe, hab ich doch schon wieder ganz schön viel geschrieben. Bis zum nächsten Mal und mit lieben Grüßen eure Jana!

Sonntag, 12. Oktober 2014

Erste Opfer oder auch Merkwürdigkeiten China Teil 5

So ihr Lieben, da bin ich mal wieder!

Heute möchte ich mit euch eine Erfahrung teilen, die ich hoffentlich nicht noch einmal machen muss. Ein guter Filmtitel für eine Doku bei RTL wäre wahrscheinlich "Krankenhaus des Grauens". Nein, ganz so schlimm war es gar nicht, aber wie unsere geliebten Privatsender muss auch ich hin und wieder ein wenig(!) übertreiben :)

Jetzt fragt ihr euch bestimmt warum zum Teufel ich im Krankenhaus war. Aber keine Panik, das ist nur der einfachste Weg an einen Arzt zu kommen ohne sich Tagelang durchfragen zu müssen. Ich bin halt genauso faul wie der Rest der Menschheit. Jedenfall hab ich mich nun endlich doch mal entschlossen einen Arzt aufzusuchen, denn ich habe seit ungefähr vier Wochen einen netten Begleiter, den Husten. Anfangs war das wahrscheinlich nur eine Begleiterscheinung von meinen Erkältungen, aber seit ca zwei Wochen bin ich mir sicher, dass sich der Smog in meinen Lungen bemerkbar macht. Dabei ist es bestimmt nicht hilfreich bei "unhealthy"-Smog-Werten im Laufschritt auf den Purple Mountain zu marschieren und sich allgemein recht viel an der "frischen" Luft zu bewegen. Anfangs fand ich meine sexy Reibeisenstimme ja noch recht lustig und alle anderen haben auch so ihre Scherze gemacht, aber wenn man sich (besonders nachts) die Seele aus dem Leib hustet und deswegen dauermüde ist, dann ist das weniger lustig. An dem Punkt bin ich sehr froh, dass meine Mitbewohnerin einen sehr tiefen Schlaf hat und nichts von meinen nächtlichen Hustaktionen mitbekommen hat, das wäre sonst dem Frieden im Zimmer nicht gut bekommen.

Ich also am Mittwoch endlich mal ins Krankenhaus gegangen. Dabei dachte ich mir auch, dass werd ich schon allein schaffen, da kann ich gleich noch ein wenig chinesisch üben. Gesagt getan und irgendwie hab ich es dann auch zu einem Arzt geschafft, nachdem ich natürlich erst für die Behandlung bezahlt habe. Ich wurde zuerst vor ein Behandlungszimmer gesetzt in dem zu diesem Zeitpunkt ein chinesisch lauter Streit (um was auch immmer) in vollem Gange war. Diverse Schaulustige standen davor und haben dem Ganzen in aller Seelenruhe zugeschaut, unter anderem ein Mensch in weißem Kittel. Irgendwann fragte er mich ob ich denn zu ihm will. Worauf ich nur sagen konnte, keine Ahnung, aber ich will in das Zimmer wo die Anderen streiten. Antwort: "Achso, dann willst du zu mir, komm mit!" und geht voran in besagtes Zimmer, mich im Schlepptau. Schmeißt die Streithähne raus und nun sind nur noch wir beide und ein alter Mann im Zimmer, der definitiv nicht gut aussieht (naja, wir sind im Krankenhaus, was erwartet man da, aber der sah wirklich nicht gut aus). Bei offener Tür hat der Arzt dann kurz in meinen Hals geschaut und den Herzschlag getestet und mich wieder im nach unten ins Erdgeschoss zum Blutabnehmen geschickt (das Behandlungszimmer lag im 3. Stock). Ich also wieder runter, Geld dafür bezahlt, dass ich mir Blut abziehen lassen darf und das fix gemacht. Oh und dann darf ich eine Stunde auf die Ergebnisse warten. Großartig, aber da es anscheinend ein Naturgesetz ist, dass man an irgendeinem Punkt beim Arzt immer warten muss, hatte ich mir vorsorglich eine Buch mitgenommen, hab spontan einen fetten Hustenanfall bekommen, den ich gern dem Arzt "gezeigt" hätte, da wären sämtliche Erklärungen überflüßig und verständlich gewesen, aber Timing war ja noch nie so mein Ding. Nach einer Stunde hab ich dann jedenfalls meine Ergebnisse abgeholt und die nette Dame dort erklärt mir doch nicht etwa, dass ich jetzt noch ein Röntgenbild von meiner Lunge machen lassen muss. Wenn ich mir einen der tausend Zettel mal genauer durchgelesen hätte, dann hätte ich das natürlich gewusst, denn hier schlepp man sämtliche Dokumente selber von A nach B. Ich also hoch in die vierte Etage und dachte mir dabei noch, wie soll ein wirklich kranker Mensch diese ganze Rennerei bitte überleben? Dann hab ich mein Röntgenbild gemacht und musste zum Glück auch nur zwei und keine zwanzig Minuten darauf warten. Juhuu! Mit dem Bild dann zurück zum Arzt und dann endlich, endlich fragt er mich was ich denn eigentlich für ein Problem hab. Großartig! Ich ihm also erklärt, dass ich sehr starken Husten hab, er sofort gesagt: "Achso, eine Erkältung." Als ich ihm gerade meine Theorie mit dem Smog erklären wollte, hat er mir schon einen weiteren Zettel in die Hand gedrückt und mich aus dem Zimmer geschoben (verständlich, war ja schon fast Feierabend). Der Zettel stellte sich dann als Rezept heraus, was ich dann auch eingelöst habe. Zuerst hab ich natürlich wieder dafür bezahlt und dachte mir, dass müssen entweder unglaublich gute Medikamente sein oder der Arzt hat mich ordentlich abgezogen. Wahrscheinlich eher Letzteres, denn als ich die Medikamente dann hatte, hat mich fast der Schlag getroffen. Das war eine ganze Zehn-Jahres-Familien-Packung gegen Husten und Erkältung. Ohne Mist, drei verschiedene Sachen, aber dafür jeweils gleich drei, vier Packen davon. Ich werde wohl einen kleinen Handel hier im Wohnheim mit dem Zeug anfangen, denn genug davon hab ich allemal. An diesem Punkt konnte ich schon fast wieder lachen, denn das war doch einfach nur unglaublich lächerlich. Ganz im Gegenteil dazu das Röntgen.Das Schlimme an der ganzen Aktion sind nicht mal die unnötig vielen Medikamente, die ich bekommen hab, sondern dass ich mich nach dem Besuch kranker als zuvor gefühlt habe, denn der nette Arzt hat sich mein Röntgenbild nicht mal angeschaut. Warum also durfte ich das dann machen? Ich weiß es leider nicht und als wir den Gesundheitscheck für die Verlängerung vom Visum machen mussten, haben wir auch schon so ein Röntgenbild gemacht. Ist ja nicht so, dass das ungesund ist oder so, aber vielleicht mach ich das zu meinem Hobby! Klingt spaßig und ein sehr essentielles Wort in China scheint eh 杀 (sha) zu sein. Das heißt soviel wie töten oder umbringen und aus unerfindlichen Gründen, brauche ich dieses Wort bei diversen Gelegenheiten tatsächlich jeden Tag.

Zum Glück hab ich aber auch dieses Abenteuer überstanden und dank Hustensaft (könnte auch sein, dass der Husten von allein weggeht) ist der Husten auch so gut wie weg und ich kann wieder mehr als nur vier Stunden am Stück durchschlafen.

Ein weiteres Opfer was ich hier gesundheitlich schon gebracht habe bzw immer wieder bringen werde, sind blaue Flecken. Richtig dicke, fette, hässliche blaue Flecken an meinen Beinen. Der Grund dafür ist ganz einfach: ich bin zu groß für diese chinesische Welt! Denn sämtliche Tische in der Uni haben unter der Tischplatte einen Korb (ist wieder ein bisschen wie in der Grundschule) und daran stoße ich mir regelmäßig die Beine. Gepaart mit den immernoch unzähligen Mückenstichen sehen meine Beine so wunderschön aus wie noch nie! Leider ist es viel zu warm um lange Hosen zu tragen, aber ich leide ja zum Glück nicht allein. Obwohl ich blaue Flecken und Mückenstiche, Husten vorziehe.

So genug gejammert, nächtes Mal erzähle ich euch wieder von schöneren Dingen!
Bis dahin, wie immer allerliebste Grüße von eurer Jana!

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Golden Week Teil 2



Tag vier der Ferien, Samstag 4.10.

Heute sind wir sehr entspannt in den Tag gestartet, da Hausaufgaben machen und Wäschewaschen auf dem Plan standen. Nachmittags sind wir dann noch zum Jiming-Tempel, wo ich eine Woche zuvor schon war. Als wir an der Bushaltestelle ausgestiegen sind hatten wir jedoch keine Ahnung wohin wir gehen müssen, denn zuvor sind wir mit dem Taxi hin gefahren und auch sah alles irgendwie fremd aus für mich. Also haben wir spontan ein paar Chinesinnen gefragt und die haben uns prompt geantwortet, dass sie auch auf dem Weg dorthin sind. Na das klappt ja mal wieder super! Zusammen haben wir uns dann auf den Weg gemacht und mit vereinten Kräften dann auch den richtigen gefunden. Natürlich wurden bei der Gelegenheit auch gleich die Telefonnummern ausgetauscht. 

Hier ein kleiner Einschub: Telefonnummern oder andere Kontaktdaten austauschen ist hier in China überhaupt kein Problem und wird gemacht sobald man auch nur zwei Sätze miteinander gewechselt hat. Damit kann man ganz wunderbar seine Beziehungen (关系 guanxi) pflegen und die zu einem günstigen Zeitpunkt zum Einsatz bringen, denn wer weiß schon wann man so etwas oder besser so jemanden mal brauchen kann. (siehe Blogeintrag über meine ersten chinesischen Kontakte)

Der Tempel sah dieses Mal noch um einiges schöner aus, denn zu fortgeschrittener Stunde näherte sich die Sonne langsam dem Horizont und der Himmel war klar und nicht so hässlich grau wie beim letzten Mal. Fortgeschrittene Stunde hieß in dem Fall aber auch, dass der Tempel sich daran machte seine Pforten zu schließen. Doch zuvor konnten wir noch einem Gottesdienst (nennt man das im Buddhismus auch so?) lauschen, denn dabei bleiben die Türen der Gebetshalle offen und sehr liebliche Klänge drangen an unsere Ohren. Wie verzaubert standen wir eine ganze Weile einfach nur da und haben zugehört und ich für meinen Teil habe mich mit einem Male unglaublich entspannt gefühlt, denn bei diesen Gebeten (die schon fast wie Gesänge klingen und von Trommeln begleitet werden) kann man ganz wunderbar die hektische Großstadt um einen rum vergessen.
Aber dann mussten wir leider gehen. Nachdem wir nun wieder zum Ausgang runter gestiefelt sind mussten wir feststellen dass die Türen dort schon verschlossen sind. Äh wie jetzt? Da wurde uns gesagt, ihr müsst wieder ganz hoch und von dort gibt es einen anderen Weg nach unten und raus. Juhuu, wir sind also in nicht einmal einer Stunde den Tempelberg inklusive all seiner vielen Treppen und Stufen zweimal komplett hoch und runter geklettert.
Da wir noch Zeit hatten bevor wir zum Essen verabredet waren, haben wir beschlossen noch ein wenig zwischen Stadtmauer und Xuanwu See entlang zu spazieren. Wie immer war auch das sehr angenehm, denn die Touristen haben sich mit zunehmender Dunkelheit verabschiedet, naja außer uns, und somit war es recht leer und nur noch vereinzelte Chinesen sind mit ihrer Musik unterwegs gewesen.
Am Abend sind wir dann mit anderen Freunden von mir in das Restaurant gegangen wo es Nanjing typische Küche gibt. Ich hatte kurz verdrängt, dass ja Feiertag war und deswegen jede Menge Menschen auch hin und wieder etwas essen müssen. Deswegen hat es uns kurz erschlagen wie viele Leute dort schon davor standen und auf einen freien Tisch gewartet haben. Allerdings dachten wir uns, wenn wir schon mal hier sind und Hunger haben, dann können wir auch noch warten. Gesagt getan. Wir haben brav wie alle andere eine Nummer gezogen und nach ca. einer halben Stunde war ein Tisch frei und wir konnten mit dem Schlemmen anfangen. Das war natürlich wieder sehr lecker! Nach dem Essen sind Johanna und ich dann zurück ins Wohnheim und nach nicht allzu langer Zeit ins Bett, denn der Tag war doch ein wenig anstrengend.


Tag fünf der Ferien, Sonntag 5.10.

Ein absolutes Muss, wenn man nach Nanjing kommt, ist meiner Meinung nach die Besteigung des Purple Mountain und da Johanna auch nichts dagegen hatte wollten wir uns heute daran machen den Berg zu bezwingen. Doch vorher standen wir vor ganz anderen Schwierigkeiten. Eine der Chinesinnen, die wir am Vortag kennen gelernt haben, wollte uns begleiten und wir hatten einige Schwierigkeiten uns in dieser riesigen Stadt zu finden. Mit Hilfe eines anderen Chinesen der uns begleitet hat, haben wir aber auch das gemeistert und schon konnte es losgehen. Unsere neue Freundin hatte auch noch einen Freund mit, der jedoch immer vorneweg gerannt ist und auch sonst recht schweigsam war.
Posen darf natürlich nicht fehlen, wenn man mit Chinesen unterwegs ist. Uns ist nur irgendwann nichts Neues mehr eingefallen
Aber dafür hat Bin
, der andere Chinese, umso mehr geplappert, mal auf Englisch mal auf Chinesisch und hin und wieder ist Baitong 百桐 auch mit eingestiegen. Jedoch war das mit dem Reden an einem Punkt dann auch eher schwierig und beschränkte sich auf „Pass auf!“ und „Bist du müde?“, denn für alles andere fehlte uns irgendwann die Puste, denn aus mir unerfindlichen Gründen sind wir den Berg, mehr oder weniger ohne Pause, in nur 2,5 Stunden hochgesprintet. Dafür haben wir uns dann belohnt und haben den Sessellift zum Runterfahren genommen. Dabei hatte man ca. eine halbe Stunde lang eine gemütliche Fahrt zum Fuße des Berges und konnte sich nebenbei noch in Ruhe umsehen.
Als wir dann unten angelangt waren, waren wir alle gar nicht mal so sehr erschöpft, dafür aber umso hungriger. Deswegen wollten wir noch etwas zusammen essen gehen, jedoch hat sich die Rückfahrt etwas schwierig gestaltet, denn alle Menschen auf und um den Berg hatten natürlich die gleiche Idee. Auf etwas abenteuerliche Art und Weise haben wir es dann aber doch geschafft und haben uns in meiner Lieblings-Nudelsuppen-Garküche niedergelassen. Sobald der Erste von uns jedoch sagte dass er voll sei und alle anderen auch fertig waren, wurde sofort wieder aufgesprungen und gegangen. Nix, von wegen  lasst uns noch ein wenig die Füße ausruhen und ein wenig quatschen. Naja, die Chinesen sind mir größtenteils immer noch ein Rätsel was das betrifft. Ein sehr schöner Tag war es trotzdem!


Tag sechs der Ferien, Montag 6.10.

Dieser Tag ging wie schon der Tag zuvor etwas chaotisch los. Denn Suzi, eine Kommilitonin aus Spanien, hatte uns zu einem BBQ eingeladen. Wir hatten uns am Abend zuvor noch gewundert warum wir uns erst 8.15Uhr treffen, wenn wir doch angeblich zwei Stunden bis zu unserem Ziel fahren müssen, in der Annahme dass es sich um 8Uhr abends handelt. Natürlich war damit 8.15Uhr am Morgen gemeint. Jedenfalls bekam ich um genau diese Zeit eine SMS von Suzi, die mir sagte dass alle auf uns warten. Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Bett gefallen. Aber Irgendwie haben Johanna und ich es mit nur 45Minuten Verspätung zum Treffpunkt geschafft (ich find das ist eine gute Zeit für zwei Mädels, die nicht am gleichen Ort übernachten und sich komplett fertig machen müssen!). Und dann ging es auch schon los mit dem Auto, raus aus Nanjing und raus aus Jiangsu (Provinz in der Nanjing liegt) wie wir irgendwann feststellten. Es hatte uns nach Anhui 安徽, der Nachbarprovinz im Westen von Jiangsu, verschlagen. Genauer gesagt an das Lindong Reservoir (林东水库 lindong shuiku). Mit von der Partie waren Suzis Schwester, die selber mal an unserer Uni studiert hat und jetzt gleich hier geblieben ist, Peio ein weitere spanischer Kommilitone und einige chinesische Freunde von Suzi und ihrer Schwester. Darunter waren auch zwei die in Deutschland studiert haben und uns aus heiterem Himmel gefragt haben ob wir Deutsche sind, auf Deutsch. Das kam dann doch etwas überraschend! Ansonsten konnten einige von den Chinesen auch ziemlich gutes Englisch (eine echte Rarität) und spanisch. Dementsprechend wurde die ganze Zeit mit verschiedenen Leuten in verschiedenen Sprachen gesprochen und teilweise auch ein Sprachenmischmasch, was mich am Ende einfach nur noch verwirrt hat. Aber lustig war es trotzdem.
Das Reservoir befand sich irgendwo in sehr ländlichem Gebiet und das ist ein Unterschied zur Stadt wie Tag und Nacht. Da wir dort nur durchgefahren sind konnte ich das alles nicht genauer bestaunen, aber hier ein kleiner Eindruck:
See in idyllisch
Zuerst einmal lag auf der Landstraße die jeweils zwei Spuren hatte, auf der äußeren Spur irgendwelches Zeug rum. Fand ich merkwürdig und als ich nachgefragt hab was das denn bitte sein soll, meinte eine Chinesin, das ist Reis der zum Trocken auf der Asphaltstraße ausgebreitet wird. Eine gängige Methode auf dem Land, aber in der Stadt verboten. Als Nächstes konnte man einige Frauen beobachten wie sie in einem größeren Teich oder etwas Ähnlichem ihre Wäsche wuschen, Waschmaschinen scheint es dort wohl noch nicht zu geben. Das Allerbeste jedoch waren die Bauern die dann am Abend ihr Rind auf der Straße nach Hause gebracht haben. Ach ich hätte mich dort dumm und dämlich fotografieren könne, aber leider geht das aus dem Auto raus nicht all zu gut. Denn all das wirkte so ganz anders, als alles was ich bisher hier in China erlebt habe, denn es war für das erste Mal das ich mich auf dem Land befand. Wahrscheinlich höre ich mich gerade wie ein kleines Kind an, was zum ersten Mal auf einen Bauernhof fährt, aber das hättet ihr wirklich erleben müssen!

um den See, weniger idyllisch
Das Lindong Reservoir ist riesiger See, der ganz viele kleine Buchten und einige Inseln hat. Die Erde dort ist relativ sandig und überall stehen Bäume und Büsche (natürlich gespickt mit unzähligen Spinnen), aber so weit auseinander dass es dazwischen genügend Platz gibt um einen Grill aufzustellen und sich auf jeder Menge Decken auszubreiten. Dazu war der Himmel auch noch strahlend blau, es gab fast keine Wolken und definitiv so wenig Smog in der Luft, wie ich es hier noch nicht erlebt habe (ich hatte am Abend sogar ein wenig Sonnenbrand im Gesicht). Das alles klingt jetzt bestimmt unglaublich schön. Wär es bestimmt auch gewesen, wenn nicht überall (und damit meine ich überall) Müll gelegen hätte. Mülleimer waren nirgendwo zu sehen und in China gibt es keine Gesetzte, die die Leute bestrafen, wenn sie ihr Zeug einfach in die Natur schmeißen. Die Zuneigung die ich anfing für dieses merkwürdige Volk zu empfinden hatte sich in Null-Komma-Nichts in Luft aufgelöst. Einzig der Fakt, dass wir die einzige Gruppe zu sein schienen, die ihren Krempel am Ende auch wieder mitgenommen haben, hat mich ein wenig besänftigt und mir gezeigt, dass nicht alle Chinesen solch ignorante Umweltverschmutzer sind. Aber ich habe mich doch gefragt, wie um alles in der Welt man den Ort auf dem man lebt und existiert, der einem alles gibt was man braucht, nur so mit Füßen treten kann. Wer mich besser kennt, weiß ich bin in der Hinsicht etwas empfindlich, aber selbst die Anderen meinten, dass es nicht in Ordnung sei. Als wir gegangen sind, sah unser Platz sogar noch sauberer aus als vorher, da wir auch Unmengen an Müll mitgenommen haben, der nicht von uns verursacht wurde.
Für mich hat das den Tag ein wenig getrübt, auch wenn wir sonst viel Spaß hatten beim Essen (was aus fast nur Fleisch bestand, ungeheuer fettig und natürlich viel zu viel war), beim um den See spazieren (wir haben nicht natürlich nicht ganz umrundet, denn dafür ist er einfach zu groß) und beim gemeinsamen Kartenspielen.
Im Sonnenuntergang ging es dann zurück nach Nanjing und zurück in den Smog.

Am Dienstagmorgen hab ich dann Johanna noch in den Zug gesetzt und ansonsten für den Rest des Tages einfach mal (fast) nichts gemacht.
So das ist jetzt auch schon wieder recht viel geworden, aber um euch zu trösten: ich habe mich schon kurz gefasst und es gibt die nächste Woche wahrscheinlich nicht allzu viel zu berichten, da am Samstag schon wieder Uni ist und unser eintägiges Wochenende dem Lernen geopfert wird.

Wie immer ganz viele liebe Grüße von eurer Jana (die gern noch ein bisschen Ferien von den Ferien hätte)

Golden Week Teil 1

Hallo ihr Lieben,


da bin ich auch schon wieder! Wie schon erwähnt hatte ich seit letzten Mittwoch Ferien. So etwas find ich immer wunderbar und bin sehr stark dafür in Deutschland auch gleich eine ganze freie Woche um den dritten Oktober einzuführen. Hier nennt sich der ganze Spaß „Golden Week“, weil nur einen Tag die Staatsgründung feiern kann ja jeder. Wahrscheinlich dachten sich die Erfinder aber eher, da es ja kein Weihnachten gibt und es sonst ewig keine Ferien gibt, machen wir halt eine ganze Woche draus. Ergebnis ist das jeder Chinese, und ich meine JEDER Chinese, in dieser Woche auf Reisen geht. Da ist man hier in Nanjing noch ganz gut dran, in Peking allerdings muss es wohl doch etwas ungemütlich sein. Bin doch deswegen fast ein wenig froh nicht dahin gefahren zu sein.

Leider muss ich den folgenden Eintrag ein wenig gestückelt hochladen, da sonst mein Internet zusammenbricht :)

Tag eins der Ferien, Mittwoch 1.10.

Meine Ferienwoche ging erstmal ganz unferienmäßig los. Nämlich Mittwoch früh um acht. Da haben ich und einige andere ausländische Studenten und Lehrer uns getroffen um zur Regierung Nanjings zu fahren. (Ich weiß bis jetzt nicht zu 100% nach welchen Auswahlkriterien das ging, denn wir waren keine zehn Leute, aber ich glaube es hatte etwas mit meinem Stipendium zu tun und da kann ich ja schlecht nein sagen.) Jedenfalls wurden wir im Bus zu den Regierungsgebäuden gekutscht und ich hatte mich schon auf das Schlimmste eingestellt. Also Fernsehteams, Fotos, Interview und man selber so verlegen dass man kein Wort heraus bekommt. Ihr denkt euch jetzt vielleicht ich habe eine etwas verschobene Sicht der Dinge und nehme mich selbst viel zu wichtig. Da würde ich euch so unglaublich gern Recht geben, aber all das ist mir letztes Jahr schon passiert und deswegen hätte mich es nicht überrascht wenn das wieder so eine völlig übertriebene Aktion der Chinesen geworden wäre.
War es dann zum Glück aber nicht! Zwar gab es all das auch, aber dieses Mal waren auch noch jede Menge Chinesen und andere internationale Studenten da, sodass sich das Ganze ein wenig aufgeteilt hat. Auch wurde uns vorher nicht gesagt was genau wir dort eigentlich machen, sodass es eine schon fast angenehme Überraschung für uns war, als wir uns wirklich nur die Gebäude anschauen sollten. Natürlich ging das ganz auf chinesische Art und Weise, also in chinesischer Sprache wird eine Gruppe von ca. 50 Leuten von einem Gebäude zum Nächsten gescheucht und man darf sich alles fix anschauen, ein Foto machen (mit dem Fotoapparat den man in der Tasche hat, die man am Eingang abgegeben musste :() und schon ging es weiter zum nächsten Gebäude wo man wieder von einer Horde Menschen freudestrahlend begrüßt wurde.
An und für sich war das Ganze recht nett, hab halt mal wieder nicht verstanden, was erzählt wurde, da die Person die erzählt hat nicht nur weit weg stand, sondern auch schnell geredet hat, da ja 2/3 Chinesen dabei waren. Aber ansonsten war es wirklich ganz interessant zu sehen, wie die Bewohner Nanjing so regiert werden bzw. von wo aus. Ganz spektakulär: die Häuser sind zum Großteil alle traditionelle, chinesische Gebäude mit geschwungenen Dächern und vielen kleinen Details und viel Farbe. Drinnen allerdings sieht es aus wie in wahrscheinlich jedem anderen Regierungsgebäude auf dieser Welt.
Am Ende wurden dann noch einige interessiert gestellte Bilder und Gruppenbilder von und mit uns geschossen und nach nicht einmal zwei Stunden waren wir entlassen, weil dann schon die nächste Führung losging. Das war doch recht entspannt, denn danach konnte ich dann in aller Ruhe frühstücken gehen.

Da das Wetter bombastisch schön war (25°C, Sonne, blauer Himmel mit Kitschpostkartenwolken und ausnahmsweise mal nicht schwül), bin ich dann nachmittags noch mit Ange in einen nahegelegenen Park gegangen. Der Park des schwarzen Drachenpools (乌龙潭公园 wulongtan gongyuan) war zwar klein, aber in seinem Fall Oho. So gab es überall verschiedene Statuen, von einem Liebespaar unter Kirschbäumen, über berühmte Gelehrte bis hin zu Cao Xueqin 曹雪, welcher der Verfasser von dem Roman „der Traum in der roten Kammer“( 红楼hongloumeng) ist, eines der vier berühmtesten klassischen Romane Chinas. In der Mitte des Parks gab es dann natürlich auch einen kleinen See an dem man entlang spazieren konnte und seine Augen an dem Grün und Blau und anderen Farben erfreuen konnte. Alles in Allem war dieser Park mit viel Liebe angelegt und eine Wohltat für die Seele (kann aber auch einfach an der Sonne gelegen haben).
Als wir dann das Gefühl hatten genug vom schwarzen Drachen und seinem Pool zu haben, sind wir wieder in die Großstadt eingetaucht und schon kurz danach am Hanzhongmen Platz gestrandet. Denn Kurt der Schredder hat sich mit einigen kleinen Kindern angefreundet und wir zwei mussten dann warten bis er keine Lust mehr zum Spielen hatte. Naja, so schlimm war es gar nicht, ich habe lustige Bilder von den Kleinen machen können und Ange hatte auch so ihren Spaß, denn die Kinder waren einfach unglaublich süß.
So etwas wäre ja in Deutschland völlig undenkbar, dass zwei Fremde mit einem Kuscheltier die Kinder anlocken und dann von ihnen Fotos machen, da hätten wir in Deutschland (in den USA wohl auch) ganz schnell die Eltern inklusive Polizei am Hals gehabt. Aber das ist ja das Schöne an China (um hier auch mal was Positives vom Stapel zu lassen) hier hat man noch Vertrauen in die Menschen und auch mit Fremden kann man problemlos reden und seine Kinder in ihre Nähe lassen. Ist doch alles viel entspannter und gelassener hier!
Viel mehr außer Abendbrot essen ist an diesem Tag dann auch nicht mehr passiert, denn nach mal wieder einer Nacht mit viel zu wenig Schlaf und mit Aussicht auf eine weitere dieser Art, war man schon beim Gedanken daran schon erledigt.


Tag zwei der Ferien, Donnerstag 2.10.

Heute kam dann endlich Johanna. Ihr Zug kam viel zu früh an, das versteht sich ja von selbst, aber dafür hatten wir den ganzen Tag Zeit lustige Dinge zu unternehmen. Zuerst ging es erstmal in einen nahe gelegenen Park, damit Johanna etwas Zeit hatte aufzuwachen, denn sie ist über Nacht mit der Holzklasse 16 Stunden von Xi’an nach Nanjing gefahren. Holzklasse deswegen, weil sie keinen Schlafplatz hatte, sondern nur einen normalen Sitzplatz auf Holzbänken. China ist und bleibt ein reines Abenteuer für jeden von uns! Jedenfalls sind wir dort durch grünen Wald und graue Gebäude gepilgert, haben uns entspannt und von Mücken auffressen lassen.
Nach einer kurzen Mittagsrast ging es dann am Nachmittag weiter zum Zhanyuan-Garten und zum Konfuzius-Tempel. Als touristische Hochburg Nanjings natürlich völlig überfüllt! Menschen soweit das Auge nur schauen kann, aber wenigstens hatte man noch Platz sich halbwegs problemlos zu bewegen.
In dem Garten war ich ja gleich am Anfang meiner Zeit hier schon einmal, damals war das Wetter mäßig schön, also Regen und graue Brühe, der Vorteil davon ist allerdings, dass es dann dementsprechend auch keine Menschen dort gibt. Diesmal hatte man schönes Wetter und schwups kommen sie alle aus ihren Löchern gekrochen und ruinieren wunderschöne Fotomotive. Im Konfuzius-Tempel sah das dann auch nicht anders aus. Was genau so besonders an diesem Tempel sein soll, kann ich euch nicht genau sagen. Zwar sieht der nachts beleuchtet sehr schön aus, allerdings ist das bei den meisten Gebäuden in China der Fall. Der nächste Punkt ist auch, dass es sich bei Konfuzianismus auch nicht wirklich um eine Religion handelt, da er zwar eine Lehre verbreitet, aber keine Gottheit darstellt etc. (darüber könnte ich euch jetzt lang und breit schreiben, aber das würde euch wahrscheinlich nur langweilen, mich übrigens auch), also weiter im Text, obwohl, so wie die lieben Chinesen sich manchmal benehmen, ist er das vielleicht doch. Vielleicht kommt es jetzt so rüber als ob es mir dort nicht gefallen hätte. Das ist auf jeden Fall nicht so. Ich fand es sogar sehr schön, es gibt nur nichts Neues darüber zu berichten.


Tag drei der Ferien, Freitag 3.10.

Heute ging es mal wieder auf die Mauer. Also natürlich die Stadtmauer von Nanjing, ist ja klar, sonst gibt es hier soweit ich weiß auch gar keine andere. Wir also wie alle anderen Eintritt bezahlt, uns durch die Massen gequetscht und hoch auf die Mauer, Sonne genossen, Smog ordentlich eingeatmet und los gestiefelt. Unser Plan war es auf der Mauer einmal um die halbe Stadt zu laufen, aber wie das so mit Plänen ist (oder zumindest mit meinen) gehen die meistens nicht so ganz auf. Aber dazu später. Chinesische Touristen find ich allgemein sehr angenehm, denn obwohl sie den Anfang einer jeder Sehenswürdigkeit komplett verstopfen, ändert sich das in den meisten Fällen schon nach sehr kurzer Zeit. Ergebnis hier war, dass wir die ganze riesige Mauer mit nur vereinzelten Menschen teilen mussten. Dabei konnte man auf der einen Seite den Qinhuai-Fluss betrachten: weniger spannend, da großer recht dreckiger Fluss. Auf der anderen Seite dagegen wechselten sich im traditionellen Still, neu gebaute Gebäude mit kleinen Parks ab. Netterweise wurde ganz oft irgendwo jenseits der Mauer Musik gespielt, sodass man immer genau wusste wo es sich lohnt zwischen den Schießscharten durch zu lunschen.
Mauer soweit das Auge reicht
Bis dahin schön und gut, jedoch war die Mauer irgendwann einfach zu Ende. Aber das wussten wir ja schon, also sind wir einfach am Fluss weitergelaufen und haben dann auch den nächsten Teil der Mauer gefunden. Unterwegs sind wir durch ein Stückchen Park gekommen, der anscheinend mehr von den Einwohnern der dahinterliegenden Straße benutzt wurde, als von Touristen. Dadurch wirkte alles irgendwie viel friedlicher und entspannter.
Der zweite  Abschnitt den wir dann in Angriff genommen haben, war dann nicht mehr so riesig groß wie der Erste. Also er war genauso hoch, aber keine zig Meter mehr breit. Da dieser Teil auch nicht mehr so lang war, haben sich hier dann auch ein paar mehr Chinesen getümmelt, aber es war immer noch recht leer und entspannt. Besonders lustig war es, als wir dann eine Stelle erreichten, wo der Park neben der Mauer bis kurz unter die Mauer reichte (natürlich auf der vom Feind abgewandten Seite) und genau an dieser Stelle endete der Zaun, der die Leute vom Herunterfallen schützen sollte, dafür aber eine unglaubliche Hilfe für alle war, die keine 10Yuan Eintritt bezahlen wollten. Kurzerhand haben wir zwei uns dann einige Meter entfernt auf die Mauer gesetzt und den Chinesen dabei zugeschaut wie sie versuchen rüber zu klettern. Aus irgendeinem Grund war dieser Weg anscheinend Allgemeinwissen, denn es kam ein unablässiger Strom an Menschen aus beiden Richtungen. Wir beide haben uns darüber kaputt gelacht und ausnahmsweise wurden mal nicht wir angestarrt. 
Denn 老外(laowai) oder auch 外国人(waiguoren) wie Ausländer bezeichnet werden sind wir ja offensichtlich und deswegen wird man fast immer angestarrt, oftmals gibt’s noch ein „Hello“ dazu und da Johanna blond ist, wollen auch ganz viele Chinesen Fotos mit ihr/uns machen. An dieser Stelle könnte ich euch einen ellenlangen Bericht über das chinesische Schönheitsideal schreiben, aber da müsst ihr euch noch ein wenig gedulden!
War auf jeden Fall mal nett die Anderen anstarren zu können, denn dort sind nicht nur sportliche Jugendliche drüber, sondern auch kleine Kinder und alte Leute. Hier zahlt sich das tägliche Sport machen wohl endlich aus :)
Abends habe ich dann Johanna noch mit ins Ellens geschleppt wo wir andere Kommilitonen von mir getroffen haben und wie es der Zufall so will stellte sich auch gleich raus dass die Mitbewohnerin von Johanna in Xi’an eine Freundin von meinen Kommilitonen ist. Achja, die Welt ist ein Dorf!

Ich hoffe übrigens dass ihr auch alle einen schönen Feiertag hattet!

Samstag, 4. Oktober 2014

Merkwürdigkeiten China Teil 4

Hallo ihr Lieben,

damit euch die Zeit bis zum nächsten längeren Blogeintrag über meine erste Ferienwoche in China nicht zu lang wird, jetzt Neues aus dem Land im fernen Osten. Heute: der ÖPNV und andere Verkehrsmittel.

Ich hab euch ja schonmal davon erzählt, wie chaotisch der Verkehr auf der Straße hier ist. Zumindest im Vergleich zum deutschen Straßensystem. Aber eigentlich ist das alles halb so schlimm (wenn man mal von den zwei Hauptverkehrsstraßen absieht). Ansonsten findet sich immer ein Weg über jede Straße, egal wie groß und stark befahren die ist. Man braucht nur ein wenig Selbstbewusstsein und jede Menge Arroganz und dann klappt das schon.
Hupen ist ja hier auch an der Tagesordnung, meiner Meinung nach um zu zeigen, dass man aktiver Teilnehmer am Straßenverkehr ist und nicht gerade schläft oder parkt. Das entwickelt sich nur abends zum Problem, denn hier fahren auch jede Menge elektrische Motorroller rum, die man leider nicht hört und die wenn es dunkel wird auch leider kein Licht anhaben und aus unerfindlichen Gründen nachts nicht mehr hupen. Sodass dann die Gefahr des Überfahren werdens um einiges steigt. Aber keine Panik, wie ihr sehen könnt lebe ich noch und ich habe bisher auch nicht einen Verkehrsunfall gesehen. Scheint wohl doch alles seine Ordnung zu haben hier, auch wenn man das als ordnungsliebender Deutscher auf den ersten Blick nicht unbedingt gleich sieht.

Mopedfahrer sind im Allgemeinen auch das größte Gefahrengut auf der Straße, denn Taxis sind doch meistens sehr rücksichtsvoll, genauso wie alle anderen "normalen" Autos, Busse sind zum Glück sehr groß, sodass man sich da dreimal überlegt ob man die Straße überquert oder besser noch ein wenig wartet und Fahrradfahrer sind nicht so schnell.

So nun zu den Bussen, die halten netterweise nicht nur an gekennzeichneten Haltestellen, sondern auch wenn man sie auf eine recht verstopften Straße ranwinkt, also fast wie ein Taxi, nur billiger :) Denn für eine Fahrt bezahlt man hier nur 2Yuan (0,26€), 1,6Yuan wenn man so eine lustige Karte hat die man immer auflädt und dann solang fahren kann bis kein Geld mehr hat. Natürlich halten sich die Busse an keinen Fahrplan und deswegen hat die Nanjinger Busfahrtgesellschaft auch gleich mal gar keinen Busfahrplan erstellt. Es wird nur gesagt von wann bis wann die Busse fahren und dann muss man halt auf gut Glück darauf warten, dass da irgendwann mal was kommt. Es kann also durchaus passieren, dass eine halbe Stunde lang kein Bus kommt und dafür dann gleich drei hintereinander.
Auch sehr schön ist, dass die Busse meistens die Türen schon aufmachen, bevor sie überhaupt angehalten haben und auch weiterfahren wenn der Letzte noch nicht zur Tür raus ist und man dann aus dem fahrenden Bus springen muss. Es ist also berechtigt, wenn ich immer von meinen Abenteuern erzähle! Aber alles halb so schlimm, bisher habe ich es auch geschafft aus dem Bus zu springen und nicht von einem Moped überfahren zu werden, was genau in dem Moment am Bus vorbeifahren wollte.
Besonders toll an den Bussen find ich aber, dass man damit immer gleich eine (fast kostenlose) Stadtrundfahrt bekommt, denn einfach von A nach B fahren kann ja jeder. So fährt man immer die gefühlte zehnfache Strecke von dem was ein Taxi fahren würde.

Nanjing ist sogar groß genug um auch eine Metro zu besitzen, die hat zwar nicht einmal zehn Linien, aber um schneller und billiger durch die Stadt zu kommen reicht es allemal. Netterweise kann ich dafür die gleiche lustige Karte wie für den Bus benutzen, was ich sehr komfortabel finde. Hier werden die Haltestellen auch alle auf chinesisch und englisch angesagt, was doch zumindest anfangs sehr hilfreich für mich war.

So genug für heute. Solltet ihr je nach Nanjing kommen, könnt ihr jetzt fast problemlos den ÖPNV benutzten ;)

Wie immer liebe Grüße!

Auch solche Gefährte sieht man recht häufig auf den Straßen